Die ältesten Nägel der Welt

Liebe Leser,

in meinem heutigen Blogbeitrag geht es um nicht weniger als die ältesten Nägel der Welt, von denen ich zwei besitze!

Aber fange ich vorne an. Ganz vorne:

Im Jahre 83 n. Chr. führte Agricola, der Statthalter der römischen Provinz Britannien, eine Expedition in den nördlichen Teil der Insel mit dem Auftrag durch, die dortige Bevölkerung zu unterwerfen. In der Schlacht bei Mons Graupius erfolgte der Sieg und Agricola begann mit der Festigung der eroberten Gebiete.

Wichtigster Standort und Materialdepot für den Bau weiterer Festungen war Inchtuthil in der Nähe der heutigen Stadt Perth. Zu dem dort gelagerten Material gehörte auch ein großer Vorrat an Eisennägeln, die insbesondere beim Bau Verwendung fanden.

Agricola wurde aus Gründen, die bis heute nicht völlig geklärt sind, als Statthalter abberufen. Sein Nachfolger änderte die bis dahin betriebene Politik und rief die Legionen aus dem Norden der Insel zurück. Dieser Teil der Insel wurde auch nie wieder von den Römern besetzt. Dabei war es üblich, auf dem Rückzug aus besetzten Gebieten die Gebäude dem Erdboden gleichzumachen und alles, was transportabel war, mitzunehmen. Probleme gab es jedoch bei dem Bestand von mehr als einer Millionen Nägeln, die zusammen mehr als 7 Tonnen wogen. Es musste verhindert werden, dass sie in die Hände der Caledonier fielen, denn für sie war Eisen wertvoller als Gold. Der Vorrat hätte gereicht, um eine Vielzahl von ihnen mit Schwertern, Speeren und anderen Waffen zum Kampf gegen die Römer auszurüsten.

überhasteter Aufbruch der letzten Legion
Die Römer lassen ihre Nägel im Land der Barbaren.

Übereinstimmend wurde der Beschluss gefasst, die Nägel zu vergraben. Innerhalb der Schmiede wurde eine Grube ausgehoben, die Nägel darin versenkt und dieses Loch mit mehr als 2 m Erde aufgefüllt. Dann wurde das Gebäude geschleift.

Die Legionäre erreichten ihr Ziel mit Erfolg: erst 1959 wurden die Nägel von Prof. Sir Richmond, Universität Oxford, im Rahmen seiner Ausgrabungen in Inchtuthil entdeckt. Es war der größte Fund dieser Art, der je gemacht wurde.

ein antiker römischer Nagel
Fast 2.000 Jahre alter Nagel

Nur ein kleiner Teil der Nägel war noch gut erhalten. Die meisten Nägel hatten sich im Laufe der 1.900 Jahre in formlose Klumpen verwandelt. In einer erschöpfenden Reihe metallurgischer Tests und Prüfungsverfahren wurde ihre Echtheit bestätigt.

Jeder Nagel war handgeschmiedet: dazu wurde ein spitz zulaufender Vierkantstab geschmiedet und in das Nagelloch des Ambosses gehalten, so dass der Kopf umgeschlagen werden konnte.Die Nägel wurden in Längen zwischen 4 und 35 cm hergestellt. Keiner wurde je benutzt, auf zahlreichen sind noch die Hammerschläge zu erkennen.

ein antiker römischer Nagel
Einer der ältesten je gefundenen Nägel

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Weg des Rohmaterials. Altertumsforschungen im Südwesten Englands, in der Nähe von Kent und Sussex, ergaben, dass dort gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Eine bedeutende Eisen“industrie“ bestand, die die Metallvorkommen der Gegend ausnutze. Diese Industrie arbeitete mit der damaligen britischen Flotte zusammen, deren Hauptquartier zu dieser Zeit Dover war. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde Eisen in Form kleiner Barren von dort nach Schottland verschifft, wo es dann von den Schmieden zu diesen Nägeln verarbeitet wurde.

Und wie kommen die ältesten Nägel der Welt nun nach Unna?

Mitte der 1970er Jahre hatte mein Vater zu Forschungszwecken  engen Kontakt mit Professor George Stern, Dekan des Institutes für Befestigung und Ladungssicherung an der Virginia Tech Universität in Blacksburg, Virginia. Dieser zum damaligen Zeitpunkt einzige „Nagelprofessor“ der Welt machte zwei dieser Nägel meinem Vater zum Geschenk.

Sie hängen heute sorgfältig gerahmt in meinem Büro und damit erinnern sie mich täglich daran, in welch langer Tradition BiERBACH auch heute mit dem großen Programm handgeschmiedeter und maschinengeschmiedeter Nägel steht, aus oberflächenbehandeltem Stahl oder aus Kupfer.

heutige handgeschmiedete Nägel von BiERBACH
heutige handgeschmiedete Nägel von BiERBACH

 

Es grüßt herzlich,
Ihr Matthias Bierbach

 

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